Der leerverkauf (short selling): wie man auf fallende kurse setzt

October 6, 2025 by No Comments

Was ist ein leerverkauf?

Ein Leerverkauf, auch als Short Selling bekannt, ist eine Anlagestrategie, bei der Investoren auf fallende Kurse von Aktien oder anderen Wertpapieren setzen.

Anders als beim klassischen Kauf von Aktien profitiert der Anleger hier, wenn der Kurs des Basiswerts sinkt. Das Ziel ist, die Aktie zu einem späteren Zeitpunkt zu einem niedrigeren Preis zurückzukaufen und die Differenz als Gewinn zu realisieren.

Dabei leiht sich der Anleger die Aktie zunächst von einem Broker oder einer Bank, verkauft sie sofort am Markt und hofft, sie später günstiger zurückzukaufen. Der Leerverkauf ist somit eine spekulative Strategie und birgt ein hohes Risiko, da die Kursverluste theoretisch unbegrenzt sein können.

Die mechanik des short sellings

Um einen Leerverkauf erfolgreich durchzuführen, benötigt der Anleger ein Wertpapierkonto und eine Vereinbarung mit dem Broker, Aktien zu leihen. Nach dem Verkauf am Markt muss der Anleger die Aktien irgendwann zurückgeben. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis bestimmt den Gewinn oder Verlust.

Ein praktisches Beispiel: Verkauft ein Anleger 100 Aktien zu 50 €, kann er bei einem Rückkaufpreis von 40 € einen Gewinn von 1 000 € erzielen. Steigt der Kurs jedoch auf 60 €, droht ein Verlust von 1 000 €. Diese Dynamik zeigt, dass Short Selling genaues Timing und Marktkenntnis erfordert.

Vorteile des leerverkaufs

Leerverkäufe bieten die Möglichkeit, auch in fallenden Märkten Gewinne zu erzielen. Für Investoren, die Risiken streuen wollen, kann Short Selling ein wertvolles Instrument zur Diversifikation sein. Außerdem erlaubt es, Kursübertreibungen auszunutzen und Marktineffizienzen zu handeln.

Darüber hinaus können Leerverkäufe als Absicherungsstrategie (Hedging) dienen. Beispielsweise können Fondsmanager Long-Positionen gegen mögliche Kursverluste absichern, indem sie ausgewählte Aktien leerverkaufen. Dies reduziert das Gesamtrisiko des Portfolios.

Der leerverkauf (short selling): wie man auf fallende kurse setzt

Risiken und herausforderungen

Der wohl größte Nachteil des Short Sellings ist das theoretisch unbegrenzte Verlustpotenzial. Während der maximale Gewinn auf den Verkaufspreis der Aktie begrenzt ist, kann der Kurs unbegrenzt steigen. Dies macht Leerverkäufe besonders risikoreich für unerfahrene Anleger.

Weitere Herausforderungen sind Leihgebühren für Aktien, Margin-Anforderungen des Brokers und mögliche Marktvolatilität. In extremen Situationen kann ein sogenannter „Short Squeeze“ auftreten, bei dem stark leerverkaufte Aktien plötzlich stark steigen und massive Verluste verursachen.

Strategien für erfolgreiches short selling

Erfolgreiche Leerverkäufer setzen häufig auf technische Analyse, Fundamentaldaten und Marktstimmungen, um Kursrückgänge vorherzusagen. Geduld, Disziplin und das Festlegen von Stop-Loss-Orders sind essenziell, um Risiken zu begrenzen.

Eine weitere Strategie ist das gezielte Shorten von überbewerteten Aktien. Investoren analysieren Unternehmenszahlen, Nachrichten und Branchenentwicklungen, um die Wahrscheinlichkeit eines Kursrückgangs zu erhöhen. Dies erfordert jedoch fundiertes Wissen und Erfahrung im Aktienhandel.

Regulierung und rechtliche aspekte

Leerverkäufe unterliegen in vielen Ländern strengen Regeln und Auflagen. Regulierungsbehörden wie die BaFin in Deutschland überwachen den Handel, um Marktmanipulationen und übermäßige Risiken zu verhindern. Transparenzpflichten für große Short-Positionen sind ebenfalls vorgeschrieben.

Darüber hinaus können in Krisenzeiten vorübergehende Verbote für Leerverkäufe verhängt werden, um Marktstabilität zu gewährleisten. Anleger sollten sich daher stets über aktuelle rechtliche Rahmenbedingungen informieren, bevor sie Short Selling betreiben.

Fazit: chancen und vorsicht

Der Leerverkauf ist ein mächtiges Werkzeug für erfahrene Anleger, um von fallenden Kursen zu profitieren. Mit der richtigen Analyse und Strategie lassen sich Gewinne erzielen, die in normalen Marktphasen nicht möglich wären. Gleichzeitig ist das Risiko hoch und erfordert sorgfältige Planung und Risikomanagement.

Wer Short Selling betreibt, sollte sich der potenziellen Verluste bewusst sein, geeignete Absicherungsmechanismen nutzen und die rechtlichen Vorschriften beachten. Für Einsteiger empfiehlt sich zunächst theoretisches Studium und Übung in Simulationen, bevor echtes Kapital eingesetzt wird.